Blackrock wird durch ETFs immer mächtiger

Fondsgesellschaften standen bisher nicht unbedingt im Fokus von Wettbewerbshütern. Das mag an ihrem an und für sich unauffälligen Geschäft liegen. Sie sammeln Geld von Anlegern ein und legen es an den Finanzmärkten möglichst rentierlich an. Doch Fondsanbieter wie Blackrock & Co sind inzwischen eine Macht. Darauf weist der jüngste Bericht der Monopolkommission hierzulande hin. Er sieht wettbewerbsverzerrende Potentiale.

 

Dass das Fondsgeschäft boomt, hat vor allem mit dem sagenhaften Aufstieg von Indexfonds bzw. ETF zu tun. Diese relativ kostengünstige Möglichkeit, in einen Index und damit einen ganzen Markt zu investieren, findet bei immer mehr Anlegern rund um den Globus Anklang und hat den Fondsgesellschaften in den vergangenen Jahren gewaltige Summen zugetrieben. Blackrock ist dabei Marktführer. Die größte Fondsgesellschaft der Welt verwaltet inzwischen ein Vermögen von unvorstellbaren 4,9 Billionen Dollar und steht damit nicht einmal alleine. Konkurrent Vanguard ist zwar kleiner, wächst aber mit enormem Tempo, alleine im vergangenen Jahr sammelte er 236 Milliarden Dollar ein.

 

Trotz gewaltiger Summen entsteht daraus noch nicht direkt Marktmacht. Denn im Prinzip verwalten die Fondsgesellschaften die Gelder nur treuhänderisch, es handelt sich also nicht um ihr Vermögen. Dennoch erhalten sie durch den Erwerb von Aktien für ihre Fondsportfolios Einflussmöglichkeiten. Und die sind beträchtlich. Schätzungen gehen davon aus, dass bei 90 Prozent der im wichtigen S&P 500-Index vertretenen Unternehmen die drei größten US-Fondsanbieter Blackrock, Vanguard und State Street - zusammen genommen - inzwischen die größten Anteilseigner sind. Nimmt man die Aktien aller DAX-Unternehmen, so hält Blackrock einen Anteil von fünf Prozent - mehr als jeder andere institutionelle Anleger. 

 

Die Befürchtung der Wettbewerbshüter geht dahin, dass Fondsanbieter ein anderes Interesse als "normale" Aktionäre besitzen und ihre Marktmacht in diesem Sinne einsetzen könnten. Dadurch würde der Wettbewerb verzerrt und die Funktionsfähigkeit der Märkte generell beeinträchtigt. Da die Fondsgesellschaften Aktien aller in einem Index vertretenen Unternehmen halten, bestehe bei ihnen ein Interesse daran, dass sich alle Titel gut entwickeln - dies sei u.a. dann gegeben, wenn kein allzu harter Wettbewerb zwischen den betreffenden Unternehmen bestehe.

 

Blackrock kündigte diese Woche an seine Verwaltungskosten auf ETF-Basis weiter zu reduzieren. Dies dürfte zu weiteren Mittelzuflüssen führen. Die meisten iShares (Blackrock) ETFs bilden ihre Indices physisch nach. Comstage (Commerzbank) greift bei den meisten Produkten auf eine synthetische Abbildung zurück. Für den Aktionär wäre es wichtig, dass Blackrock den immer größer werdenden Einfluss auf die Unternehmen nutzt und diesen in Erträge umwandelt. Eine Hauptversammlungsvertretung in Deutschland wäre ein erster Anfang. Leider findet diese branchenweit quasi nicht statt. Letzlich kommt es dadurch auch nicht zu einer erhöhten Macht. Diese könnte und sollte aber genutzt werden. Viele aktive Investoren haben gezeigt, dass man Einfluss auf den Vorstand ausüben kann und diesen aus Aktionärssicht positiv beeinflussen kann.

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